Filmkritik zu Mulan 2020

Endlich hat es die Neuverfilmung von Mulan geschafft. Zwar nicht auf die Leinwände, dafür aber auf Disney+. Ob Mulan sehenswert ist und ob noch etwas vom Original übrig bleibt, kannst Du hier nachsehen.

Disney’s MULAN Mulan (Yifei Liu) Photo: Film Frame © 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Handlung

Zunächst einmal ist eins vorneweg wichtig. Ich werde erst im Verlauf einige Vergleiche zum Disney Klassiker ziehen. Da hier die Handlung sehr oberflächlich ist, sind nur minimale Spuren von Spoiler drin. Ganz vermeiden lassen sie sich nicht.

Die Geschichte ist recht simpel: Das Kaiserreich China wird angegriffen. Allerdings unterscheidet sich hier, dass die Angreifer eine Zauberin/Hexe im Schlepptau haben. Diese hilft ihnen auf perfide und raffinierter Art, einige Ansiedlungen auszurotten. Der Kaiser wünscht sich von jeder Familie einen Mann, der für das Land, Dorf, Familie und Ehre kämpft. In China scheint die „Ehre“ ein großes Wort zu sein, denn wer keine hat wird mir Verachtung behandelt bzw. verliert seinen ganzen Besitz. 

Disney's MULAN  L to R: Bori Khan (Jason Scott Lee) and Xianniang (Gong Li)  Photo: Film Frame  © 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.Disney's MULAN L to R: Bori Khan (Jason Scott Lee) and Xianniang (Gong Li) Photo: Film Frame © 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Es fängt an, dass Hua Mulan und ihr Vater schon seit sie Kind ist merken, dass sie eine Gabe hat, die andere nicht haben. Diese Gabe namens Chi. Was es mit dieser Gabe auf sich hat, bleibt mir persönlich noch ein wenig offen. Ich denke aber, es geht hier um die Kampfkunst an sich selber. Ich wurde dennoch nicht schlauer. Allerdings ist dieses Chi nur für Jungs/Männer vorbehalten. Die Familie wohnt in einem kleinen Dorf, das auf engstem Raum zusammenlebt. Im späteren Verlauf soll Mulan, wie auch im Klassiker einem Mann vermittelt werden. Wer den Zeichentrickfilm kennt, wird sicher über den ein oder anderen Moment schmunzeln. Wie man die Geschichte kennt, wird das nichts. Direkt darauf folgt eine Einberufung vom Kaiser und Mulan’s Vater wird einberufen. 


Den Rest kennen wir: Es gibt Streit in der Familie, dann werden Rüstung, Schwert, Pferd geklaut und unsere Kriegerin galoppiert zum Ausbildungslager. Ein steiniger, langer, schwerer Weg. Man erlebt sie in einer schwachen Kondition. Allerdings wird sie nicht von „Berta der Kuh“, Cricki und Mushu begleitet, sondern ihr Pferd und ein Phönix, der Schutzpatron ihrer Ahnen. 

Angekommen wird man direkt mit einigen Regeln konfrontiert. Eine davon ebenfalls wichtig: Frauen absolut Tabu! Die harte Probezeit kommt und ich überspringe ein paar Details um nicht zu spoilern. Denn soweit kennen wir die Geschichte. Es folgt eine Schlacht zwischen den Angreifern und der kaiserlichen Armee. Irgendwann trifft Mulan die Hexe, die direkt erkennt, wer und was sie ist. Sie spürt in ihr das Potenzial und sagte ihr, dass sie nur stark sein kann, wenn sie weiß wer und was sie ist. Ohne wertend zu klingen wollte die Hexe sie nicht umbringen. Im Gegenteil, sie wollte, dass Mulan wohl ihr „Coming Out“ hat. Natürlich hat das nichts mit dem typischen Coming Out zu tun, aber was im Film oft verdeutlicht wird, geht es hier um Treue, Loyalität und Truth. Das Deutsche Wort Wahrhaftigkeit ist m.E. schlecht gewählt. Authentisch klingt wesentlich besser und passender. 

In der Geschichte kürze ich noch weiter drastisch ab um nicht wirkliche Dialoge oder wichtige Schlüsselszenen zu spoilern. Bis jetzt war es noch ganz oberflächlich betrachtet. Das Ende vom Lied ist, dass sie selbstverständlich nicht stirbt, noch einmal kämpft und den Kaiser rettet. Ist selbstredend oder?

Disney’s MULAN Photo: Film Frame © 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Zum Schluss wird sie als Heldin gefeiert und somit zur Legende Chinas. Eine tolle Story oder? Nun ich möchte jetzt ins Detail gehen. Achtung: Ab hier werden Texte verfasst, die spoilern. Zwar ist der Film recht vorhersehbar, allerdings möchte ich Dich vor Spoiler schützen. 

Disney’s MULAN Photo: Film Frame © 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

~~~~ Warnung: Spoilerbeginn ~~~~

Schauspieler*innen: 

Liu Yifei: Ich empfand Mulan als sehr authentisch und gibt einem echt Motivation durch die härtesten Prüfungen im Verlaufe des Films durchzustehen. Tatsächlich kommt Hua Mulan androgyn rüber im Film und ich empfinde es als sehr gelungen hier mit den Geschlechtern zu spielen. Auch ihre schauspielerischen Künste waren beeindruckend. Selten bewegt mich etwas bzw. bringt mich zum Tränen geschweige denn Heulen. Hier hat es Mulan an einer Sequenz geschafft, dass selbst ich Pipi in den Augen hatte, vor allem als es darum ging, Ehre für die Familie zu bringen und nicht verurteilt zu werden was und wer man ist. 

Tzi Ma: Als Vater Hua Zhou war Tzi Ma in einer authentischen und stereotypischen Rolle als chinesischer Vater, der sich ebenfalls an Traditionen halten muss und nicht möchte, dass seine Familie Schande bevorsteht. Also beschließt er Mulan, obwohl sie mehr im Kampf talentiert ist zu unterdrücken und den traditionellen Weg zu führen. Doch die Blindheit des alten Mannes wird ihm zum Verhängnis, denn seine Tochter folgt im Prinzip ihrem Herzen. Authentisch und packend hat er seine Rolle wirklich gut gespielt, ich habe keinen Moment gezweifelt, dass das nicht echt bzw. un authentisch wäre. 

 

Quelle: TooFab's

Yason An: Während der Kriegsausbildung, war er sozusagen anfangs ein kleiner Feind von Mulan. Er nennt sich Chen Honghui. Jedoch ändert sich hier schnell die Beziehung und es wird eine Freundschaft. Ob es Liebe wird, das werde ich Dir nicht verraten. Dennoch empfand ich ihn eher als Nebensache, sozusagen kleiner Sidekick. Vielleicht kommt noch ein Teil mit Mulan raus? Es handelt sich wie der Film es schon sagt um Mulan und nicht um eine Lovestory… Gott sei Dank. 

 

Jason Scott Lee: Bori Khan, der Bösewicht des Films, macht einen wirklich üblen Eindruck. Das meine ich positiv, denn er ist wirklich gut in der Rolle gewesen. Allerdings hat mir am Charakter das ein oder andere gefehlt. Auch hätte ich gerne eine kleine Story mehr über den Charakter erfahren. Im Film wird erwähnt, dass sein Vater vom Kaiser umgebracht worden sei. Allerdings hätte ich gerne die Zustände und Beziehungen zwischen den Kämpfern verstanden, was mich etwas trivial empfand. Seine schauspielerischen Fähigkeiten waren aber wirklich gemein und böse. 😉 

 

Quelle: Tumblr

Gong Li: Als Xian Lang war sie mein absoluter Favorit bei den Bösewichten. Als Hexe bzw. Krähe hat sie Bori Khan und seine Angreifer angeführt und viel „Backdoor“ bei den Schlachten betrieben. Sie spielt übrigens eine Schlüsselrolle für Mulan. Sie erkennt sehr schnell, dass Mulan eine Frau ist und konfrontiert sie damit. Durch einen gezielten Angriff, kann sie auch Mulan’s Identität offenbaren. Anfangs denkt man: „Was für eine B*tch!“ Doch der Plot Twist lässt nicht lange auf sich warten, denn wie Mulan erfuhr Xian das Gleiche: Beide sind eine Frau und werden verachtet. Doch bei Mulan passiert genau das Gegenteil und führt am Ende die kaiserliche Armee. Am Ende überzeugt Mulan sie noch für die Gerechtigkeit zu kämpfen, muss sie doch einen hohen Preis dafür zahlen. Mich persönlich hat die Frau in Authentizität, Schauspiel und Emotionen sehr mitgenommen. Anfangs habe ich sie wirklich gehatet ja sehr sogar, jedoch durch ihren Willen Mulan zur Legende machen zu wollen war für mich ein Ehrenplatz in meinem Herzen. Xièxie für Deine Leistung Gong Li

 

Es gab noch weitere Charaktere wie Kommandant Tung, Sergeant Qiang, Yao, Po, Ling und der chinesische Kaiser und Mulan’s Schwester und Mutter Hua Xiu und Hua Li. Allerdings empfinde ich es nicht für relevant hier groß einen Text über die Rollen zu schreiben. 


Disney’s MULAN Photo: Film Frame © 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Meine Ansicht(en) zum Film

Mulan wird in der Neuverfilmung zur Legende gemacht. Außerdem wird hier auf ein Problem angesprochen, das schon seit Jahrtausenden gibt. Ob es sich hier um einen Versuch der „Political Correctness“ des amerikanischen Filmemacher handelt oder einfach nur die Geschichte erzählt, das bleibt offen. Eins ist es trotzdem, es ist zeitgemäß. Noch bis heute erlebe ich in meinem privaten Umfeld wie blau Jungs und rosa Mädels zugeordnet wird. Sprich ein Schubladen denken, dass es dem Menschen leicht macht nicht so viel Energie in den Synapsen zu verbrauchen. Ein ganz normale psychologischer Vorgang, allerdings ist es ein Film der Mädchen stark machen möchte. Viele Filme bestehen meistens nur aus Filmen mit Männern und/oder Jungs die heldenhaft aus einer brenzlichen Situation kommen. Dieser Film hat zwar auch Männer im Film, besteht aber hauptsächlich von der Hauptrolle aus Frauen. Einmal die Hexe, einmal Mulan. Das empfinde ich als so wichtig gerade für unsere Generation. Mädchen können nämlich genauso stark sein und wesentlich besser sein wie Männer. Natürlich gefällt es dem ein oder anderem männlichen Ego kaum, das habe ich die Tage auch noch zu spüren bekommen. 

Durch den steinigen, schweren und eigentlich fast unmöglichen Weg, hat Mulan vergessen wer sie ist und was sie kann. Nur weil ihr klar wird, dass sie das „Chi“ hat und sie das perfekt nutzen kann macht sie so unglaublich stark. Was hier definitiv angesprochen wird ist, unabhängig von Geschlecht, die Aussage der Erwachsenen zu einem Kind mit „Du kannst das nicht!“. Warum sagen Eltern so etwas? Ja weil sie sicher ihr Kind gut einschätzen können, jedoch ist genau das, was bei Mulan auch passiert ist. Man unterdrückt seine Passion und evtl. damit auch eine Fähigkeit die keinem bewusst ist. Denn erst wenn wir es ausprobiert haben, wissen wir, ob wir es können oder nicht. Manche Dinge brauchen Zeit, manche Dinge machen wir auch nie wieder, aber wir haben es versucht denn egal in welcher Situation sind, kann ein einzelner Reiskorn die Waage zum Kippen bringen. 

~~~~ Spoilerende ~~~~

Fazit

Wer hier auf das Original hofft, der wird enttäuscht. Erwartungen soll man keine an den Film setzen. Der Film geht in die Jackie Chan-Richtung und hat auch einiges an Kämpfen zu bieten. Auch eine epische Schlacht wird folgen, dennoch hat der Film auch Emotionen, die man nicht verachten kann. Menschen die in einer Familie aufgewachsen sind und sich immer bemühen eine Anerkennung zu erhalten, wird dieser Film treffen. Es ist ein Film mit chinesischen Traditionen, Familienehre, Stolz, Loyalität, Mut und Wahrhaftigkeit (oder wie ich es sage Authentizität). 

Ich konnte vom Gedanken her, dass Muschu und Li Jang, sowie die fehlende Musik ausfallen absolut keine Freude dran gewinnen. Dennoch hat mich der Film auf eine andere Weise mitgenommen, was genau den gleichen Effekt hat: Man ist berührt und man muss sich im Klaren sein, was man kann und es sich nicht runterreden lassen. Denn der Film zeigt uns nämlich eins: Egal wer und was Du bist, Du kannst alles werden auch eine Legende wie Hua Mulan.

 


Meine Wertung

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